Primärfarben editieren

Überblick

Das Werkzeug Primärfarben editieren ermöglicht es, virtuelle Messdaten zu erstellen, indem aus den vorhandenen Messdaten eines Testcharts Primärfarben gelöscht oder verändert werden, das Papierweiß angepasst oder auch Farbkanäle mit weiteren Primärfarben hinzufügt werden.
Normalerweise müssten Sie für solche Aufgabenstellungen neue, große Profilierungs-Testcharts auf Ihrem Drucksystem ausdrucken, um daraus neue ICC-Profile zu erstellen, was sehr teuer und zeitaufwändig sein kann.

Das Werkzeug Primärfarben editieren benötigt stattdessen nur die spektralen Messwerte der auszutauschenden neuen Primärfarben. Mit einem ausgeklügelten spektralen Farbmischmodell werden das Linearitätsverhalten und auch überdruckende Farben berechnet und damit neue Messdaten generiert.
Eine Hauptfunktion des Werkzeuges Primärfarben editieren ist die dynamische Auswahl der besten Patches der gegebenen Daten. Je vollständiger die bereitgestellten Daten (vorzugsweise Spektraldaten), desto akkurater die Ergebnisse.
Durch vollständigere Daten verbessern sich: Der Austausch von Primärfarbverläufen, Überdruckeninformationen (zum Beispiel die Primärfarben kombiniert mit Schwarz), Spektraldaten allgemein oder Informationen über die Druckreihenfolge. Auf diese Weise können Sie in kürzester Zeit neue Charakterisierungsdaten erstellen und damit ICC-Profile für Ihre neuen Farbkombinationen.

Möglichen Anwendungsfälle und Szenarien, die zur Effizienzsteigerungen Ihrer Produktion führen können:

  • Ausgleich von Druckschwankungen: Ändert sich die Dichte und Farbe Ihrer Primärfarben im Vergleich zum Druck der Charakterisierungsdaten, dann können Sie die Charakterisierungsdaten mit den Messwerten der neuen Primärfarben einfach austauschen. Dieser Film zeigt, wie einfach das mit ColorAnt geht.
  • Austausch des Papiers oder Substrats: Wenn Sie mit den gleichen Farben auf einem anderem Papier drucken wollen, können Sie das Papierweiß in den vorhanden Charakterisierungsdaten anpassen.
  • Austausch von Farben im Verpackungsdruck: Erstellen Sie einfach neue Messdaten und damit ein neues ICC-Profil, indem Sie in den vorhanden Charakterisierungsdaten Farben austauschen, zum Beispiel Cyan gegen ein Blau oder Rhodamine Red für Magenta, ohne ein großes Testchart auf dem Drucksystem drucken zu müssen.
  • Anpassen der Druckreihenfolge: Verbessert die Überdruckenberechnungen. Sehen Sie hier ein Beispiel.
  • Flexibilität für den Verpackungsdruck: Erstellen Sie aus einem vollständigen 7C-Datensatz (zum Beispiel mit CMYK+Orange+Grün+Violett) unzählige hochwertige Farbkombinationen für unterschiedliche Anwendungszwecke. Extrahieren Sie die CMYK-Werte für den Vierfarbdruck, Kombinationen aus CMYK plus entweder Orange, Grün oder Violett, oder auch Daten für den 6C-Druck. Stellen Sie sicher, dass der Druckprozess stabil arbeitet und verwenden Sie die Farbkombinationen, die Sie zur Erfüllung der jeweiligen Kundenaufträge benötigen.
  • Vergrößern Sie den CMYK-Farbumfang: Fügen Sie eine fünfte, sechste oder siebte Farbe zu Ihren CMYK-Messdaten hinzu, indem Sie nur einen kleinen spektral gemessenen Keil mit der gewünschten zusätzlichen Primärfarbe hinzufügen.
  • Ändern von Kanalnamen: Neuanordnung von Kanalnamen ohne die Daten zu modifizieren.
Austausch einer Primärfarbe
  1. Laden Sie die Charakterisierungsdaten, in denen Sie eine Primärfarbe austauschen möchten, in ColorAnt. Wir empfehlen, zusätzlich die Messdaten eines weiteren Datensatzes zu laden, der die neue auszutauschende Primärfarbe enthält. Diese Messdaten sollten am besten spektral vorliegen, mindestens den Vollton und, wenn möglich, noch Abstufungswerte auf dem gewünschten Papier und auf Schwarz beinhalten.
    Hinweis: Mit ColorAnt liefern wir eine Beispiel-Referenzdatei für eine Sonderfarbe mit (das Beispiel zeigt eine rote Sonderfarbe), die alle benötigten Farbfelder für den Austausch von Farben beinhaltet. Den Keil Spotcolor-CMYK+X-v1.txt finden Sie unter Datei/Vordefinierte Daten. Mit dem Werkzeug Chart exportieren können Sie daraus dann einen druckbaren Keil erzeugen.
  2. Wählen Sie die zu ändernde Messwertdatei mit den Charakterisierungsdaten aus und klicken Sie auf Primärfarben editieren.
  3. Um eine Primärfarbe auszutauschen, klicken Sie auf das Pipetten-Symbol der entsprechenden Farbe (siehe Beispiel eines Austauschs des Magenta-Kanals).
  4. Wählen Sie die neue Primärfarbe aus einer weiteren geladenen Messdatei aus, indem Sie diese Farbe anklicken. Mit der Version ColorAnt L können Sie frei entscheiden, welchen Kanal Sie auswählen (zum Beispiel auch Rot für Cyan) und somit auch die Farbreihenfolge ändern. In Primärfarben editieren wird der Lab-Wert der neuen Primärfarbe angezeigt, so dass Sie sofort sehen können, dass eine Änderung erfolgt ist. Falls die importierten Messwerte spektral vorliegen oder neben dem Vollton auch Abstufungen vorhanden sind, so wird dies mit einem farbigen Stern-Symbol gekennzeichnet.

    Hinweis
    : Beim Import von Daten aus einer anderen Messwertdatei werden nicht nur der spektrale Volltonwert, sondern auch Abstufungswerte und Überdruckinformationen übernommen und zur Berechnung hinzugezogen. Je vollständiger die Daten, desto besser sind die Resultate der Farbersetzung. Falls Sie nur den Volltonwert zur Verfügung haben nimmt ColorAnt ein bestimmtes Druckverhalten an.
  5. Alternativ – und wenn Sie keine zusätzliche Messwertedatei mit der neuen Primärfarbe haben – können Sie den gewünschten neuen Lab-Wert auch in das Zahlenfeld eingeben. Die Genauigkeit dieser Ersetzung ist dann jedoch geringer, als beim Importieren von spektralen Werten, was auch durch das grau bleibende Stern-Symbol angezeigt wird.
  6. Bestätigen Sie Ihre Änderungen mit Start. ColorAnt berechnet die modifizierte Messwertdatei und zeigt sie in der Sektion Datensätze an. Speichern Sie die Datei unter Datei/Speichern unter für die weitere Verwendung, zum Beispiel zum Erstellen von ICC-Druckerprofilen mit CoPrA.
  7. Um den Austausch von Primärfarben zu überprüfen, können Sie das Vergleichen-Werkzeug verwenden.

Bei Sonderfarben-Bibliotheken, wie zum Beispiel Pantone-Bibliotheken, die als CxF-Datei in ColorAnt geöffnet werden können, liegen keine Referenzwerte vor, weshalb jede Sonderfarbe in der Bibliothek als Vollton interpretiert wird.

Hinweis: Liegt nur der Vollton zum Austausch einer Primärfarbe vor, jedoch keine Abstufungswerte, dann übernimmt ColorAnt das Gradationsverhalten der ursprünglichen Primärfarbe.

Austausch des Papiers/Substrats

Das Werkzeug Primärfarben editieren sollten Sie dann zum Austausch des Papiers oder Substrates verwenden, wenn nur geringe Veränderungen im Papier vorliegen, wenn diese Veränderungen also keine Auswirkungen auf die Primärfarben haben. Falls größere Substratänderungen notwendig sind, empfehlen wir das Werkzeug Weiß-/Schwarzkorrektur zu verwenden.

  1. Laden Sie neben der Messwertdatei mit den Charakterisierungsdaten, die Sie editieren möchten, eine weitere Messwertdatei, die die spektralen Messwerte des neuen Papiers/Substrates beinhaltet.
  2. Wählen Sie die zu ändernde Messwertdatei mit den Charakterisierungsdaten aus und klicken Sie auf Primärfarben editieren.
  3. Klicken Sie bei Substrate/Papierweiß auf die Pipette und wählen Sie einfach die Messwertdatei mit der neuen Primärfarbe aus. In Primärfarben editieren wird der Lab-Wert der neuen Primärfarbe angezeigt, so dass Sie sehen, dass eine Änderung erfolgt ist.
  4. Alternativ – und wenn Sie keine zusätzliche Messwertdatei mit dem neuen Papierweiß haben – können Sie den gewünschten neuen Lab-Wert auch in das Zahlenfeld eingeben. Die Genauigkeit dieses Austausches ist dann jedoch geringer, als beim Importieren von spektralen Werten.
  5. Bestätigen Sie Ihre Änderungen mit Start. ColorAnt berechnet die modifizierte Messwertdatei und zeigt sie in der Sektion Datensätze an. Speichern Sie die Datei unter Datei/Speichern unter für die weitere Verwendung, zum Beispiel zum Erstellen von ICC-Druckerprofilen mit CoPrA.

Hinweis: Der Austausch des Papiers und der Papierfärbung wirkt sich nicht auf die Primärfarben aus. Das ist so gewollt, denn das Werkzeug geht nur von kleinen Papiertonänderungen aus, die eben auf den Vollton der Primärfarben keine Auswirkung haben. Wenn Sie größere Änderungen im Papierton vornehmen möchten, sollten Sie sie vor dem Editieren der Primärfarben mit dem Werkzeug Weiß-/Schwarzkorrektur durchführen.

Die Fortschrittsanzeige zeigt Ihnen den Stand der Berechnungen an (siehe Screenshot). So sind Sie bei den komplexen mathematischen Kalkulationen, besonders bei großen Testcharts und vielen Kanälen, immer informiert, wie lange diese noch dauern können.

Ändern der Druckreihenfolge

Die Druckreihenfolge definiert die Reihenfolge, in der die Farben aufeinander gedruckt werden. Die Ursprüngliche Reihenfolge entspricht hier der anfänglichen Druckreihenfolge, der Kanalreihenfolge. Mit ihr kann man unter anderem testen, ob eine veränderte Reihenfolge den Gamut vergrößert.
Wenn Primärfarben ausgetauscht oder hinzugefügt werden, kann außerdem die richtige Reihenfolge von überdruckende Farben berechnet werden.

Die Druckreihenfolge kann durch Ziehen der Symbole geändert werden (Drag-and-drop).

Beispiel: Es ist ein Unterschied in der Farbdarstellung wenn ein Rot auf ein Gelb gedruckt wird oder umgekehrt. Anwender können die Druckreihenfolge unabhängig von der Kanalreihenfolge definieren, so dass die Kanalfolge erhalten bleibt, zum Beispiel als CMYK, auch wenn die Druckreihenfolge KCMY lautet.

  1. Die anfängliche Druckreihenfolge, dargestellt als Ursprüngliche Reihenfolge, eines geladenen Datensatzes entspricht der Kanalreihenfolge. Sie können die Ursprüngliche Reihenfolge verändern, indem Sie einfach eines der Farbsymbole mit der Maus fassen und an die gewünschte Position verschieben.
    Beispiel Flexodruck: Hier werden die Farben meist von dunkel nach hell gedruckt, wohingegen die Kanalreihenfolge eine andere Anordnung impliziert.
    Hinweis: Wenn ein mit Primärfarben editieren geänderter Datensatz wieder geöffnet wird, entspricht die Ursprüngliche Reihenfolge der zuletzt gespeicherten.
  2. Unter Editierte Reihenfolge wird die Reihenfolge der Farben angegeben, in der sie gedruckt werden sollen.
    Hinweis: Falls keine Änderung an der Druckreihenfolge nötig ist, stellen Sie sicher, dass die Editierte Reihenfolge die gleiche ist, wie die Ursprüngliche Reihenfolge.

Wenn Sie fertig sind, klicken Sie auf Start und der Datensatz wird geändert. ColorAnt berechnet dann die modifizierten Daten (sind unter Datensätze zu finden). Speichern Sie diese Datei unter Datei/ Speichern unter zur weiteren Verwendung, zum Beispiel zum Erstellen eines ICC-Druckerprofils mit CoPrA.

Kanäle hinzufügen

Hinweis: Für das Hinzufügen von Kanälen benötigen Sie ColorAnt L.

  1. Laden Sie neben der Messwertdatei mit den Charakterisierungsdaten, denen Sie Kanäle hinzufügen möchten, eine weitere Messwertdatei, die die spektralen Messwerte der zusätzlichen Farbe beinhaltet.
  2. Wählen Sie die zu ändernde Messwertdatei mit den Charakterisierungsdaten und klicken Sie auf Primärfarben editieren.
  3. Klicken Sie auf Kanal hinzufügen. Es entsteht ein neuer Dummy-Kanal mit der Bezeichnung Auto.
    Hinweis: Der Kanalname der neuen Primärfarbe wird automatisch übernommen, wenn sie im nächsten Schritt ausgewählt wird.
  4. Um die Primärfarbe hinzuzufügen, klicken Sie auf die Pipetten-Funktion des neuen Dummy-Kanals. Wählen Sie die neue Primärfarbe aus einer weiteren geladenen Messdatei aus, indem Sie auf diese Farbe klicken. Der Screenshot zeigt das Hinzufügen einer fünften Farbe Orange zu einem CMYK-Datensatz.
  5. Um den Kanalnamen zu ändern klicken Sie einfach auf das Bleistift-Symbol des Kanals am rechten Rand und geben im erscheinenden Fenster Primärfarbenname editieren den neuen Namen ein.

    Wichtig: Definieren Sie die Ursprüngliche Reihenfolge und die Editierte Reihenfolge. Dies ist besonders wichtig, wenn eine neue Farbe hinzugefügt wurde. Es kann sein, dass die Farbe an letzter Position zum Drucken hinzugefügt wird, was dann keine Änderung nötig macht. Aber wenn die Farbe zwischen anderen Primärfarben platziert wird, sollte sich dies auch unter Editierte Reihenfolge wiederspiegeln.
  6. Bestätigen Sie Ihre Änderungen mit Start und die Messwertdatei mit dem hinzugefügten Kanal wird erstellt. In der Datensätze-Sektion können Sie die Anzahl der Kanäle in der Spalte DCS verfolgen.
  7. Um die Eigenschaften der neuen Messwertdatei zu überprüfen, können Sie sie im Betrachten-Fenster analysieren und gegebenenfalls weitere Änderungen vornehmen, zum Beispiel die Tonwerte anpassen, oder Glätten.
Kanäle entfernen

Hinweis: Für das Entfernen von Kanälen benötigen Sie ColorAnt L.

  1. Laden Sie die Messwertdatei mit den Charakterisierungsdaten aus denen Sie Kanäle entfernen wollen.
  2. Deaktivieren Sie einfach die Checkbox vor dem entsprechenden Farbkanal und bestätigen Sie mit Start. Als Information zeigt Ihnen ColorAnt an, wie viele Kanäle die resultierende Messwertdatei haben wird.
  3. Berücksichtigen Sie, dass die resultierende Messwertedatei eine Multicolor-Datei ist. ColorLogic CoPrA kann mit diesen Daten hervorragend arbeiten, wenn Sie über eine Multicolor-Lizenz für CoPrA verfügen.

Hinweis: Sie können einzelne Kanäle aus vollständigen Testchart-Messwerten extrahieren, indem Sie alle anderen  Kanäle entfernen. Lassen Sie einfach die Checkbox des gewünschten Kanals aktiviert und deaktivieren Sie die Checkboxen aller anderen Kanäle.

Kanalsortierung mit Primärfarben editieren

Mit ColorAnt ist es möglich, die Kanalreihenfolge innerhalb einer Datei zu ändern, ohne jedoch die Messdaten an sich zu verändern. Das ist hilfreich, wenn Sie zum Beispiel die Zusatzkanäle Orange und Grün zu einem CMYK-Datensatz hinzugefügt haben, anschließend jedoch die Reihenfolge auf CMYK+Grün+Orange ändern wollen.

In diesem Fall wählen Sie mit der Pipette einfach den grünen Kanal für den Orange-Kanal aus der gleichen Messwertdatei und umgekehrt. Wenn nur die Kanalreihenfolge geändert wurde, wird das durch die Bezeichnung ChannelOrder im Dateinamen vermerkt.

Hinweis: Die Druckreihenfolge sollte trotz geänderter Kanalreihenfolge nicht geändert werden.

 

Hinweis: Die Funktionen der Kanalsortierung im Werkzeug Primärfarben editieren und das Verbinden von Messdaten mit unterschiedlichen Kanalnamen im Verbinden-Werkzeug können dazu verwendet werden, um beispielsweise Multicolor-Messdaten von Fremdherstellern für die Profilerstellung in CoPrA vorzubereiten. So lassen sich auf diese Weise die vier separaten Messwertdateien aus Esko Equinox zu einem 7-farbigen Messdatensatz in der gewünschten Kanalreihenfolge kombinieren.

Erstellen neuer Charackterisierungsdaten für vorhandene Charts

Mit dem Werkzeug Primärfarben editieren ist es möglich, Gerätewerten (DCS-Werten), die keine Farbwerte aufweisen, neue Farbwerte zuzuordnen. Sie können somit neue Charakterisierungsdaten erstellen, die zum Beispiel nur auf vorhandenen Keilen von Primärfarben oder nur auf der Eingabe von Lab-Werten basieren, ohne neue Testcharts drucken zu müssen. Vorgehensweise:

  1. Öffnen Sie eine Referenzdatei (zum Beispiel ein IT8/7-4) und, falls vorhanden, Messkeile oder existierende Charakterisierungsdaten von Testcharts mit den gewünschten Farben.
  2. Wählen Sie die Referenzdatei, klicken Sie auf das Werkzeug Primärfarben editieren und verwenden Sie die Pipette, um Farben aus dem Pool an Messwerten, die Sie geöffnet haben, auszuwählen.
  3. Sie können auch einfach den Lab-Wert eingeben, wenn Ihnen keine besseren Informationen zur Verfügung stehen. Natürlich gilt auch hier, dass Sie die besten Ergebnisse mit Spektralwerten, Keilen und Überdruck-Informationen erhalten.
  4. Wenn allen Primärfarben und dem Papierweiß Messwerte zugeordnet sind, klicken Sie auf Start.